Wir verließen die Farm und machten wir uns vorsichtig auf in Norden. Ziel die nahe liegende Küstenstadt, Napier. Der Unfall war ja noch keine Woche her, so fuhren wir behutsam über die Kieselstraßen des Farmlandes. Immer mit gespitztem Ohr, um den Motorgeräuschen zu lauschen. In der Hoffnung nichts auffälliges zu hören. Glücklicherweise fuhr Dobby einwandfrei. Ohne Muckser schafften wir es nach Napier zu einem schönen, kleinen Freedom Campingplatz außerhalb der Stadt neben einem Spielplatz.
Doch nachdem wir in den paar Tagen in Napier keinen Job gefunden hatten, uns die Kiesstrände nicht gefielen, und die Stadt einen kargen und leblosen Eindruck auf uns machte, entschieden wir uns in das zweieinhalb Stunden entfernte Gisborne zurück zu kehren. In Gisborne hatten wir vor Weihnachten auf einer Apfelfarm gelebt und gearbeitet, und, weil wir uns nach dem Unfall nach uns vertrauten Menschen sehnten, war das genau der richtige Ort und unser nächstes Ziel.
Die nächsten Wochen verbrachten wir damit tagsüber Arbeit in Gisborne zu suchen. Morgens und Mittags schrieben wir Bewerbungen für zukünftige Jobs auf der Südinsel. Fast täglich saßen wir in der lokalen Bibliothek, um dort mit Internetzugang Motivationsschreiben, Lebensläufe oder Bewerbungsfragebögen zu verfassen. Unser großer Traum ist es die Wintermonate in einem der vielen Skigebiete auf der Südinsel zu verbringen. Doch die Jobs in den Resorts sind heiß begehrt, weshalb wir uns direkt bei allen Skigebieten der Südinsel bewarben.











Hin- und wieder stießen wir auf kurzfristige Jobs, wie Inventur halten in einem Lagerhaus oder in einem Supermarkt, während der Nachtschicht, Plastikhalterungen für Papierpreisschilder mit neuen Plastikhalterungen für elektronische Preisschilder zu ersetzen. «Digitalisierung». Es machte uns Spaß in ungewöhnlichere Jobs hineinschnuppern zu können und verschiedene Typen von Arbeitgeber zu erleben.








Viele unserer Nachmittage verbrachten wir mit Freunden. Entweder mit Tommi, Caros Freund aus Argentinien, mit dem wir uns zum Acro Yoga üben oder gemeinsamen Kochen trafen. Oder mit unseren Freunden von der Apfelplantage. Nach unserer Rückkehr nach Gisborne freundeten wir uns schnell mit den neuen Bewohnern unseres ehemaligen Hauses an. Regelmäßig wurden wir zu Partys jeglicher Art in das Landhaus eingeladen. Mal wurde gekocht, mal Karten gespielt, mal getanzt. Dabei sorgte neue französische Dominanz and Bewohnern stetig dafür, dass ihre Kultur in Form von Crepes weiter gegeben wurde.







Nach ein paar Wochen ging uns aber das Geld aus.
Leider kann man nicht ewig in den Ferien leben, denn mit der Zeit schwanden unsere Ersparnisse. Doch feste Arbeit zu finden erschließ sich als schwierig. Auf die Bewerbungen, die wir versendet hatten und auf die ausgeteilten Lebensläufe hatten wir kaum Feedback bekommen. So näherte sich unser Kontostand der einstelligen Zahl, bis wir schließlig auf unsere letzten 60 NZ Dollar (~30 Euro) angewiesen waren. Doch Vitamin B hilft bekannterweiße und so erlangten wir über einen Uruguayer, den wir an einem der Strandcampingplätze getrofffen hatten, Arbeit bei einem Packhouse.
Die Früchte, die auf all den Plantagen gepflückt werden landen im nächsten Schritt in einem Packhouse. Dort werden sie dann in Qualitätsstufen unterteilt, daraufhin von einer Maschine nach Größe sortiert in kleinere 17kg – 20kg Boxen unterteilt. Diese Kisten kaufen dann Supermärkte und Fruchtsaftproduzenten oder sogar Kreuzfahrtschiffe. In dem Packhouse wo wir schließlich mit unserem Freund Diego angefangen haben war Caro dafür zuständig die ankommenden Orangen oder Mandarinen in drei Qualitätsstufen zu unterteilen. Nachdem eine Maschine die Früchte nochmals nach Gewicht und Größe musterte, waren Diego und Leon dafür zuständig die vollen Kisten Probe zu wiegen, auf Paletten zu stapeln und mit einer leeren Kiste zu ersetzen.



Endlich wieder flüssig waren die Geldsorgen dann wie weggepustet. Allerdings auch die anfängliche Lust wieder zu arbeiten. Denn der Job im Packhouse war anstrengend, sehr monoton und vor allem unzuverlässig. Jeden Tag machten wir nichts anderes als händisch Früchte zu sortieren oder schwere Kisten zu heben. Dabei werden immer nur die gleichen Körperteile belastet und auf Dauer hat diese Monotie uns echt zu schaffen gemacht.
Doch der Job hatte auch einen großen Vorteil. Dadurch, dass wir direkt an der Quelle der Früchte arbeiteten konnten wir uns all die aussortierten Früchte unter den Nagel reißen. Jeden Tag wurden kiloweise Orangen, Zitronen oder Feijoas weggeschmießen nur weil sie eine kleine Öffnung in der Schale haben und deswegen nicht lagerfähig sind. So füllte sich Leon jeden Tag eine große Tüte mit frischen Früchten voll, um sie unter unseren Freunden zu verteilen oder selbst zu verspeisen.
Irgendwann wurde Leon dann aber von einer Firma angerufen, bei der er einen Monat zuvor ein CV vorbeigebracht hatte. Aber davon lest ihr im nächsten Bericht 😉
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