Weihnachten stand kurz vor der Tür, wir hatten ungefähr fünf Wochen gearbeitet und, weil selbst die Apfelplantage Weihnachtsferien hat, suchten wir nach einer Möglichkeit eine Zeit lang möglichst kostengünstig unseren Van zu renovieren. Hier in Neuseeland ist es recht üblich sein Haus Fremden Reisenden zu überlassen, wenn man in den Urlaub fahren möchte. Das ganze nennt sich «House sitting». Das wollten wir ausprobieren und haben auch glatt eins gefunden. Zwei Stunden nördlich von Auckland, auf einem Hügel mit Blick auf das Meer und in die andere Richtung auf den Sonnenuntergang. Als Gegenleistung, um dort kostenlos wohnen zu dürfen, müssen wir uns um die Pflanzen und Permakulturbeete kümmern. Sie haben nämlich unglaublich viele Pflanzen. Außerdem müssen wir mittags zwei Zelthütten säubern und für die nächsten Gäste vorbereiten.
Wir freuten uns darauf, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen und mehr Englisch zu praktizieren.
Unser neues Zuhause war gemütlich – wir hatten ein eigenes Zimmer und fühlten uns wohl. Aber wie immer braucht es Zeit, sich an eine neue Umgebung zu gewöhnen, vor allem mit einem zweijährigen Kleinkind im Haus. Caro und ich konnten es kaum erwarten, dass die Familie in den Urlaub aufbrach. Wir sehnten uns nach etwas Zeit für uns allein. Denn die hatten wir seit Monaten nicht, und wollten auch endlich mit dem Umbau unseres Vans beginnen.
Am 24. Dezember war es dann so weit: Die Familie brach am Nachmittag auf, und wir waren endlich alleine! Unser kleines Weihnachtsfest konnte beginnen. Ganz traditionell für Heilig Abend machten wir Pizza. Begleitet von einem leckeren Bierchen und Zimmerpflanzen statt Weihnachtsbaum. Die Nacht war ruhig, aber von Weihnachtsstimmung keine Spur. In Neuseeland scheint Weihnachten einfach nicht die gleiche Bedeutung zu haben wie in Europa – das war für uns ein kleiner Kulturschock.
Trotzdem war es schön. Wir saßen draußen, schauten in den Sternenhimmel und genossen die friedliche Stille auf unserem Hügel.
Am 26. Dezember kehrte die Familie dann zurück und blieb bis zum 31., bevor sie für ein paar Wochen in den Urlaub fuhr. Unsere Arbeit in den Domes war schnell erledigt – meist in zwei Stunden – und den Rest der Zeit nutzten wir, um ans Meer zu fahren oder die Gegend zu erkunden.






Uns war bei der Suche nach einem Housesitting wichtig gewesen, dass es Werkzeuge vor Ort gibt, die wir zur Renovierung unseres vierrädigen Zuhauses nutzen dürfen. Zum unserem großen Glück hatten die drei einiges. Verschiedenste Sägen, Akkuschrauber, Schraubzwingen, Schleifmaschine, und einiges mehr was man so braucht, um mit Holz zu arbeiten. Perfekt. Sobald die Familie in den Urlaub fuhr, konnten wir loslegen.
Als die Familie es endlich geschafft hatte sich auf den Weg zu machen, war es bereits 31. Dezember gegen 20 Uhr. Wir waren überglücklich. Endlich hatten wir das Haus für die nächsten Wochen ganz für uns allein!
Voller Vorfreude begannen wir unser kleines Silvesterfest und machten uns ans Kochen. Caro bereitete köstliche hausgemachte Gnocchi mit einer veganen Bolognese zu, und fürs Dessert habe ich Mousse au chocolat zubereitet. Glücklich und zufrieden mit vollen Bäuchlein entzündeten wir unter dem funkelnden Sternenhimmel ein Lagerfeuer. Während der Wind leicht wehte und das Feuer knisterte genossen den Moment und reflektierten ein bisschen unsere Reise und wie wir ein Jahr vorher noch in Berlin tanzten.


Das neue Jahr began fur uns mit dem klaren Plan, in den folgenden 10 Tagen ohne die Familie vor Ort, den Van zu renovieren. Zuerst musste erst einmal alles rausgeschmissen werden. Das war der einfache Part, denn daraufhin sollte der eklige graue Teppichboden raus. Der hat ganz schon viel Energie beansprucht, weil er mit Teppichkleber einfach auf den unbehandelten Holzboden geklebt wurde. Aber nach mehreren Tagen, einigen Dosen Kleberentferner und ganz viel schrubben mit einem Spachtel waren wir mehr oder weniger zufrieden mit dem Ergebnis.
In den folgenden Tagen wurden wir immer routinierter und legten unsere kompletten Tage nur auf den Van aus. Früh aufstehen, die Domes putzen und fur die Gaste vorbereiten, am Van arbeiten, kochen, weiter arbeiten und schließlich nachdem Sonnenuntergang erschöpft aufs Sofa fallen. Nach den 10 Tagen, quasi mit dem wiedereintreffen der Familie, hatten wir es geschafft. Ein Bett, dass in ein Ecksofa transformiert werden kann; eine Küchenzeile, mit samt Gewürzregal, schoener Arbeitsplatte und einem ausziehbaren Kühlschrank; ein eingelassenes Waschbecken, eine Toilette und ein paar Regale, haben wir in der kurzen Zeit geplant, gebaut, wieder auseinander genommen und erneut probiert. Als dann die Familie eintraf waren wir zwar komplett erschöpft aber auch mächtig stolz auf unser gelungenes Projekt.









Damit wir am nächsten Tag direkt losstarten können sind wir nach einem geselligen Abendessen mit der Familie früh zu Bett gegangen, denn am nächsten Tag wollten wir bis nach Auckland kommen, um dort in einem Latino store neuen Matetee zu kaufen und natürlich unseren Van furs sog. «freedom camping» zu zertifizieren. Denn, um mit dem self contained sticker dürfen wir kostenlos fast überall campen, dafür hatten wir die Wassertanks, das Waschbecken und die Toilette installiert.
Die Zertifizierung war erfolgreich und mit unserer neu gewonnen Freiheit machten wir uns auf gen Süden, um in einer kleinen Stadt 500km entfernt den grünen Sticker und das Zertifizierungs Dokument abzuholen. Den ganzen Weg in einem Stück zu fahren, kam uns absurd vor, so nahmen wir uns eine Woche Zeit, in der wir an Stränden, Seen und Flüssen schliefen, kleine Wanderungen unternahmen und uns in kleinen Etappen dem Briefkasten mit unseren Dokumenten näherten.











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